
Wir sind die Venezuelaamazonen
Kiri & Rico.
Uns geht es sehr gut, denn unser Herrchen lässt uns immer frei fliegen.
Wir sind seit April 2004 ein Pärchen und flattern hier am süd-östlichen Stadtrand von Berlin herum.
Angefangen hat es, als Kiri aus ihrem Gehege(wo sie mit Zierhühnern zusammen war) ausgebrochen ist und am nächsten Nachmittag zurück gekommen war. Beim zweiten Ausbruch (1/4 Jahr später) kam sie bereits am gleichen Abend nach Hause. Da hat dann Herrchen das Loch einfach offen gelassen und Kiri kam nach jedem Ausflug regelmäßig zurück. Damit sie auf ihren Erkundungsflügen nicht so einsam war, hat mich Herrchen dann dazu gekauft. Aber das Andere kann euch Herrchen ruhig selber erzählen.
Vorbemerkung!
Meine Ausführungen auf dieser Seite sollen nicht zur Nachahmung auffordern! Ich möchte nur über meine Erfahrungen mit meinen frei fliegenden Papageien berichten und euch an meiner Freude teilnehmen lassen.
Bei mir hat es sich einfach aus der Situation heraus so ergeben, dass meine Papageien frei fliegen können. Es sind sehr viele Faktoren zu berücksichtigen, die einen Freiflug erst ermöglichen. Der erste und aller wichtigste ist Zeit, viel Zeit!!! Nicht ich, sondern sie bestimmen den Tagesablauf! Man muss immer für die Vögel da sein und nicht umgekehrt.
Außerdem sind eine starke Bindung des Tieres an den Halter, örtliche Gegebenheiten und auch eine gewisse Schlauheit des Vogels erforderlich.
Ich bin auch kein Experte, sondern nur Hobbyhalter. Habe eine menge Fehler gemacht und werde auch in Zukunft nicht davon verschont sein.
Die Geschichte:
Kiri habe ich 1998 zu mir geholt. Sie war aus zweiter Hand und 3 Jahre alt. Dass es sich um einen Wildfang handelte, war nach meinem damaligen Erkenntnisstand nicht von Bedeutung. Man kann ja in der Beziehung auch verschiedener Meinung sein. Auf jeden Fall sind diese Tiere besser als es uns einige Züchter glauben lassen wollen! Entscheidend ist doch hauptsächlich, was man daraus macht, damit es ihnen gut geht.
Ich habe sie von Anfang an frei in der Wohnung fliegen lassen und sie hat sehr schnell einen ganz innigen Kontakt zu mir gefunden.
Bezeichnend für ihre Schlauheit und/oder Eifersucht war zum Beispiel folgende Begebenheit. Ein Bekannte verteilte ihre mitgebrachten Kosmetikartikel in ein Regal, das mit den Meinigen bestückt war. Kiri hat es geschafft, diese komplett auf den Fußboden zu befördern ohne ein Einziges aus meinem Sortiment zu entfernen.
Da ich eine Voliere mit Zwerghühner hatte, habe ich Kiri im Sommer bei schönem Wetter tagsüber mit hinein gesetzt und abends wieder zu mir herein geholt.
Im Gehege befand sich ein Pärchen Zwerghuhnküken, die gern auf einem erhöhten Gestell saßen. Kiri hat dann immer die Henne weg gejagt und dann mit dem Hahn regelrecht geschmust. Seit dem bin ich mir fast sicher, dass Kiri auch wirklich ein Weibchen ist.
Als Kiri dann mehrfach aus der Voliere abgehauen und abends zurück gekommen war, habe ich sie dann gezielt seit Frühjahr 2002 frei fliegen lassen.
Zunächst lief alles wunderbar. Kiri fühlte sich in ihrer neuen Rolle pudelwohl und für mich war die abendliche Rückkehr immer wieder in tolles Erlebnis. Es macht einfach Spaß, sie in der freien Natur zu erleben und zu beobachten wie sie sich 2 Wochen lang früh von einem Eichelhäher abholen ließ, sich mit den Krähen furchtlos herum zankte oder regelrecht mit mir und meinem Hund spazieren flog.
Mir sind Ausflüge bekannt geworden, die bis in einen Umkreis von 8 Kilometern gehen.
Im Winter waren dann die Ausflüge kürzer und sie kam nach 2-4 Stunden zurück. Wobei ich sie bis minus 8 Grad bei schönem Wetter heraus gelassen habe.
Ob es Zufall oder Absicht war weiß ich nicht, jedenfalls klopfte es eines Tages am Fenster und Kiri saß in der Fensterbank. Ich bin sofort heraus gegangen und habe sie mit viel Theater und Lobhudelei herein geholt. Dadurch hat sie es sich angewöhnt, sich durch das Klopfen mit dem Schnabel an die Fensterscheibe zurück zu melden, wenn ich nicht gerade draußen bin.
Die Probleme:
Natürlich läuft nicht immer alles so glatt, wie wir es gern hätten. Es kam schon mal vor, dass Kiri auch mal nachts nicht nach Hause kam, und das waren für mich immer unruhige Nächte. Aber um so herzlicher war dann eben die Begrüßung am nächsten Tag.
Auch merkte ich, dass Kiri mit der Zeit das alleine Herumfliegen nicht mehr ausreichte und sie Gesellschaft suchte. So suchte sie im Frühjahr verstärkt Anschluss an die Krähen. Doch die begannen mit ihrer Brut und dabei konnten sie getrost auf ihre Gesellschaft verzichten.
Durch das ständige Weghacken der Krähen hatte Kiris Federkleid sehr stark gelitten. Der Schwanz bestand nur noch aus 3-4 zerflederten Federn und in den Flügeln fehlten bereits einige, so dass sie in ihrer Flugfähigkeit stark eingeschränkt war.
Also gab es erst einmal Stubenarrest. Doch das war ja keine Lösung auf Dauer. Das Beste was mir dazu einfiel war, "die Kiri braucht einen Mann!"
Gesagt, getan! Ich holte dann im April 2004 Rico aus Apolda ab. Er ist zwar 5 Jahre älter, aber es war Liebe auf den ersten Blick!
Das Gekreische und Palaver dauerte ohne Unterbrechung über 3 Stunden. Rico kam aus der Volierenhaltung und war nicht gerade zutraulich. Doch ich merkte bald, das Kiri die absolut dominante Rolle übernommen hatte und Rico machte was sie wollte.
Die Lösung:
Bereits nach 4 Wochen habe ich es dann gewagt beiden gemeinsam den ersten Freiflug zu gewähren. Mir war dabei mehr als mulmig in der Magengegend, aber Kiri drängelte zusehends.
Da Rico damals noch nicht auf die Hand kam und mir der Züchter bestätigte, dass er das auch noch niemals getan hätte, brachte ich ihn im Käfig raus um ihn dann fliegen zu lassen. Nach bangen Stunden kamen gegen Abend beide laut krakeelend angeflogen. Das Futter im Käfig lockte ihn rein und ich konnte Rico problemlos hereinholen.
Bereits nach einer Woche kam dann Rico auch auf Hand, Kopf und Schulter geflogen. Ob er den Wandel in seiner Zuneigung zu mir aus Dankbarkeit für das neue Lebensgefühl vollzogen hat? Ich weiß es nicht!
Jedenfalls ist es ein wunderbarer Anblick, wenn sie nebeneinander wie im Formationsflug davon fliegen.
Seit sie nun zu zweit unterwegs sind, hat Kiri auch nicht mehr das Bedürfnis sich mit den Krähen anzufreunden. Im Gegenteil konnte ich dieses Frühjahr beobachten wie einer der Beiden von einer Krähe angegriffen wurde und der Andere von hinten die Krähe attackierte.
Allerdings hatte mal ausnahmsweise die Krähe recht, weil sich in dem Baum ihr Nest befand.
Das ganze Jahr hindurch sind sie regelmäßig jeden Tag nach Hause gekommen, doch dann kamen sie seit Anfang September auf Abwege.
Lesen sie bitte weiter unter Aktuelles 2005
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